Finnland startet Experiment zum bedingungslosen Grundeinkommen

Sie haben es einfach gemacht, die Finnen: kurz vor Silvester wurden unter den gegenwärtig arbeitslos gemeldeten Finnen 2000 ausgelost, die für kommenden zwei Jahre jeden Monat 560,-€ erhalten. Es gibt keine Einschränkungen und Restriktionen.

23% der Schweizer sind dafür

Die Diskussion dazu ist nicht neu: gerade erst haben in der Schweiz 23% der Befragten für ein bedingungsloses Grundeinkommen gestimmt. In Deutschland machte Götz Werner von der Drogeriekette „dm“ das Thema populär und befreite es vom Verdacht weltfremder Spinnerei. Und wenn selbst Vorstandsvorsitzende wie Joe Kaeser (Siemens) Timotheus Höttges (Telekom) der Idee etwas abgewinnen können, dann scheint es angeraten, sich mit dem Thema zu beschäftigen.

Der Grund für die Aufmerksamkeit ist ganz einfach: wenn mit zunehmender künstlicher Intelligenz der Anteil des Menschen an der Wertschöpfung sinkt, dann muss das Einfluss auf unsere bisherige Logik der Verteilung von Werten (um nicht den polarisierenden Begriff des Reichtums zu verwenden) haben. Die historisch gewachsenen Paradigmen zur Verteilung von Geld nach Leistung treiben ja schon heute spannende Blüten. Und damit meine ich nicht nur den unvorstellbaren Reichtum, der inzwischen bei den Pionieren der Digitalindustrie angehäuft ist. Fragen Sie mal junge Leute nach den Internet-Bloggern und ihren daily-soap-Geschichten. Die Generation X reibt sich irritiert die Augen: damit kann man Geld verdienen?

Zum Weiterlesen hier ein Tipp: http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/aussenansicht-ein-grundeinkommen-kann-die-gesellschaft-wieder-vereinen-1.3282068

Öffentliche Diskussion nimmt zu

Das finnische Experiment wird in der öffentlichen Diskussion grundsätzlich begrüßt – weil es in einer Diskussion, die eher von Annahmen denn von Fakten getrieben wird für letztere sorgen will. Natürlich gibt es jede Menge „Abers“. Neben den volkswirtschaftlich spannenden Fragen interessiert mich jedoch, was ein bedingungsloses Grundeinkommen für „ganz normale“ Unternehmen bedeuten würde. Was würde in Ihrem Unternehmen geschehen, wenn alle Mitarbeiter unabhängig von all ihrem Tun –  sagen wir 1.000,-€ Grundeinkommen erhielten?

Würden Sie Arbeitskräfte verlieren, weil sich Arbeit nicht mehr lohnen würde? Würden Mitarbeiter Ihnen ganz andere Arbeitsmodelle „diktieren“? Würde sich keiner mehr für die von Ihnen angebotenen Jobs interessieren? Vielleicht, ja. Doch was wäre dann die Konsequenz?

Aus meiner Sicht würde es zwei grundsätzliche strategische Aufgaben für Sie geben: Sie müssten einerseits Arbeitsangebote, für die es keine Käufer (=Arbeitnehmer) gibt, auf anderem (vermutlich digitalem) Wege lösen. Und zum anderen müssten Sie Ihr Unternehmen und Ihre Jobangebote attraktiver machen. Und Attraktivität wäre dann vermutlich nicht in erster Linie an Geld gebunden. Vielmehr müssten Sie eine Antwort darauf geben, ob es Sinn gibt und Spaß macht, für Ihre Firma früh aus dem Haus zu gehen, ob man hier Menschen trifft, mit denen man gerne seine Zeit verbringt. Kurz: Sie müssten als wert- und sinnschöpfende Gemeinschaft überzeugen.

Merken Sie was? Das ist auf einmal gar nicht mehr so weit weg. Denn diese Fragen beschäftigen Unternehmen und Organisationen bereits heute. Aktuell sind es vielleicht eher der Mangel an Arbeitskräften, der Wettbewerb um Kunden und der Druck von innovativen neuen Startups, der Unternehmen dazu bringt, über ihre Unternehmenskultur nachzudenken. Doch all das hängt ja zusammen, auch die Diskussion um das bedingungslose Grundeinkommen ist ja nicht zufällig gerade jetzt aktuell.

Wahlfreiheit in Sachen Urlaub

Und vielleicht müssen wir auch gar nicht auf die großen gesellschaftspolitischen Entscheidungen warten: ebenfalls zum 1. 1. 2017 führte der Unternehmer Ullrich Kastner von der Leipziger Firma Myhotelshop für seine 40 Mitarbeiter die Wahlfreiheit in Sachen Urlaub ein. Was er sich dabei gedacht hat? Lesen Sie selbst.

http://www.xing-news.com/reader/news/articles/546650?link_position=digest&newsletter_id=18558&xng_share_origin=email

Ich wünsche Ihnen eine gute Zeit im Jetzt und Hier.

Ihre Katharina Ibrahim

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2 Kommentare
  1. Katja
    Katja sagte:

    Ich bin sehr gespannt darauf, zu welchem Ergebnis man hier kommen wird. Davon hängt sicherlich einiges ab, ob sich andere Länder in Zukunft auch anschließen und ein bedingungsloses Grundeinkommen anbieten.

    Antworten
    • Katharina Ibrahim
      Katharina Ibrahim sagte:

      Ja, das stimmt, aber die Diskussion ist inzwischen überall präsent. Gestern war ich auf dem XING New Work Kongress in Berlin: Thomas Sattelberger (Ex-Telekom Personalvorstand und Vordenker in Sachen Neue Arbeitswelt) hält die Idee mit dem Grundeinkommen für „Quatsch“, für andere ist es ein wichtiger Baustein für die zukünftige Entwicklung. Wir werden sehen….

      Antworten

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